in: mannaz » innere welten • am: 31. August 2008
 


in letzter zeit ist in deutschen landen wohl der unmut umhergegangen. einige bewohner aus klein-bloggersdorf sind nicht mehr gewillt, den rücklauf ihrer leserschaft in empfang zu nehmen. dass es sich dabei nicht einmal um rein rechtliche belange handelt — dies wird wohl oftmals ein eher vorgeschobenes argument sein –, sondern es viel mehr um die sisyphale steinchenrollerei geht, ist schade. sicherlich hat der/die eine oder andere nicht bedacht, dass mit dem bloggen — also freies schreiben auf nicht-journalistischer ebene — bei erfolg ebenso arbeit anfallen kann, die nicht einmal ein journalist bewältigen muss.[1]

foren-betreiber werden davon noch viel eher ein lied singen können, da geht es auch manchmal heißer her als in einem blog, moderation findet dort auch in aller regel erst danach statt, wenngleich für die rechtssicherheit auch in einem forum alles im vorfeld moderiert werden müsste (ein aktuelles und verbindliches urteil fehlt noch, da vor kurzem erst wieder mal so und mal wieder anders geurteilt wurde). in einem blog besteht im grunde die möglichkeit, alles erst einmal in eine moderationsschleife landen zu lassen. nervig für die kommentierenden leser, die vielleicht bis zu einem tag warten müssen, bis sie ihren beitrag zum beitrag lesen können, für die betreiber eines angesagten blogs aber vielleicht auch die einzige chance, auch unerwünschter kommentare herr zu werden.

einige blogs sind wohl schon von vornherein so gestartet[2]. andere ziehen nach. aktuell ist es gerade im hauptstadtblog so.

auch einige schreiber privater blogs, die ich beobachte, haben sich zwischenzeitlich überlegt, diesen schritt gehen zu wollen, sich letztendlich aber für alternativen entschieden. zB dafür, dass sich die potenziellen kommentierer jetzt im blog anmelden müssen. sind ja auch nicht alles neue ideen, einige blogsysteme spielen da auch wunderbar mit und haben dies in ihrer rollenbasierten benutzerverwaltung auch schon integriert: der gemeine homo bloggerus leserensiens et commentariens.

dass es unter gewissen umständen nötig sein könnte, die kommentarfunktion komplett abzuschalten, mag sein. ob die betreffende seite dann nach unseren heutigen maßstäben es noch verdient, blog genannt zu werden, ist dabei eine vielleicht interessante, aber dennoch unnötige diskussion. sicher, ein blog kennzeichnet sich durch gewisse funktionalitäten aus, kommentare waren dabei wohl ebenso immer bedacht, wie das chronologische runterseiern von gedanklichem gut in schrift, bild und linkform. trackbacks als erweiterte referenzialisierung fürs eigene ego war sogar schon ein durchbruch, wenngleich es nur dem kommentierendem blogger nutzt. ein feed in RSS oder Atom ist auch ein muss für jedes blog, heutzutage jedenfalls. ich denke mal, dass die ersten blogs — wenn man sie denn da auch schon so nannte — gewisse eigenschaften noch gar nicht hatten.

was also lässt eine seite noch als blog durchgehen? der eben genannte feed kann es nicht mehr sein, denn auch nachrichtenseiten von zeitung, magazin oder reinen online geführten produkten haben dieses feature mittlerweile weitreichend im angebot. kommentarfunktion gibt es da auf vielen von diesen seiten nun auch schon. trackbacks sind ein nettes spielzeug für blogger, und auch nicht jedes blogsystem unterstützt dies ausreichend und problemlos. ergo: es bleibt der chronologische aufbau als einziges merkmal übrig.

daher lässt sich sagen, dass auch im falle des hauptstadtblogs die frage simpel geklärt werden kann: sie waren und sind weiterhin ein blog. das warum und wieso will ich gar nicht in frage stellen, sie werden es sich wohl in ihrem kleinen autorenkreis reiflich überlegt haben, den schritt in die kommentarfreie zeit zu wagen. die meisten rezipieren doch eh ausschließlich passiv die vielen seiten. und: das hsb stellt immer noch die möglichkeit, per mail kontakt herstellen zu können. das hat ja auch schon bei anderen blogs gut geklappt. ich denke einfach mal, dass der stammleser und gelegentliche kommentator sich erst einmal an den neuen umstand gewöhnen muss. anders dürfte es bei blogs aussehen, die von anfang an kommentarlos ohne kommentare auskommen wollen.

das entscheidenste kriterium gerade bei blogs aus privater hand sollte doch immer sein, wie qualitativ hochwertig der inhalt ist, und nicht, ob ich immer und jederzeit in der lage bin, meine gequirlte scheiße darunter setzen zu können. manchmal mag der eine oder andere kommentar einen beitrag bereichern können, aber — seien wir einmal ehrlich — ist der meiste kram doch nur dazu gut, zu sagen, wie toll oder wie blöd wir jetzt den artikel fanden. billige blogger gehen noch einen schritt weiter und nutzen die funktion eh nur, um sich selbst darzustellen; der backlink und der mögliche traffic von der seite steht da mehr im vordergrund. virtuelle prostitution nenn ich das, aber das ist dann schon wieder ein thema für einen anderen beitrag.

eine frage am rande: würdet ihr ein blog nicht mehr lesen wollen, nur weil ihr eines tages nicht mehr kommentieren dürftet? kommentare hierzu gern erwünscht!

  1. der klassische journalist, so vermute ich einmal, wird sicherlich nicht einmal die leserpost zu gesicht bekommen; dafür wird es bestimmt irgend einen mitarbeiter — wenn nicht sogar den praktikanten — geben. []
  2. weiß das eigentlich jemand genauer beim bildblog? []

.schon 10 mal wat dazu jesacht:

  1. Aleks sagt:

    kommt auf den blog an sich an.ich würde ihn aber nicht aus meinem feedreader schmeißen, nur weil ich meinen senf nicht mehr zu den einträgen abgeben kann. davon abgesehen: als blogbetreiber würde ich total den reiz am bloggen verlieren, wenn ich kein feedback mehr bekäme.

  2. L'Beloong sagt:

    Ich finde es - übrigens gerade beim HSB - sehr schade, dass die Kommentare abgeschaltet wurden. Beim BildBlog machen Kommentare aus meiner Sicht eigentlich fast keinen Sinn, beim HSB jedoch sehr wohl, wie angeregte Diskussionen in der Vergangenheit zeigten (Beispiel BVG-Streik, BBI, Tempelhof, etc.). Ehrlich gesagt lasse ich deren Begründung, sie würden das ja alles in der Freizeit und als Hobby machen, nicht ganz gelten. Denn als man das HSB ins Leben rief, war ja damit zu rechnen, dass es Feedback geben wird, das Blog richtet sich immerhin an die komplette Bevölkerung der größten Stadt Deutschlands. Das hier dann unterschiedliche Meinungen vertreten werden, war absehbar. Und wenn dann tatsächlich mal einer aus der Reihe tanzt und seinen Schwachsinn nicht für sich behalten kann - was soll’s? IP auf eine Blacklist und fertig.

  3. ondamaris sagt:

    kommentieren ist für mich ein wesentliches element des bloggens - der gedanken-austausch mit anderen, ergänzungen, korrektur, anregung.
    kommentare abzuschalten (so sehr ich in einzelnen fällen die gründe verstehen kann und auch selbst genügend arbeit mit kommentaren & -spam habe), kommentare abzuschalten beraubt m.e. blogs eines ihrer wesentlichen und geschätzten merkmale

    soll heissen: mir als author eines blogposts sind kommentare wichtig! als feedback, korrigendum und sensorium.

  4. Basti sagt:

    Ich persönlich, das gerade ein Blog die Disskusion suchen muss! Ich persönlich freue mich über jeden noch so doofen Kommentar… Sicherlich sind mein Kommentarmengen nicht so gross wie die vom Hauptstadtblog aber genau das ist es ja was die meisten nicht verstehen bei so einer Menge an Kommentaren und der Art ist dieser Schritt vielleicht gewagt aber auch nicht der verkehrteste!

  5. r|ob sagt:

    Um störende Kommentare zu vermeiden, schlage ich zukünftig folgendes vor:

    1. Schritt Kommentare sperren

    2. Schritt Bilder entfernen

    3. Schritt Blogroll streichen

    4. Schritt Berichte eindämmen

    5. Schritt Domain abmelden

    6. Schritt Internetanschluss kündigen

    Mit anderen Worten: Ich halte nichts davon, Kommentare in einem Blog nicht mehr zuzulassen.

    Sicher gibt es Nervnasen, die im HSB meinen, sich verbal auskotzen zu dürfen. Ob nun rechtliche Überlegungen letztendlich zu diesem Schritt führten oder störende Kommentatoren, ist an dieser Stelle unwichtig: Es gibt auch Menschen, die Messer nicht nur zum Brötchen schmieren benutzen, dennoch werden Messer nicht aus dem Haushalt verbannt…

  6. Spontiv sagt:

    Für mich verliert ein Blog ohne Kommentare seinen Reiz. Gerade die Interaktion bringt doch den Spaß beim bloggen. Sicher können können gewisse Kommentare nerven. Aber gerade beim HSB sieht man es jetzt schon: ohne Kommentare wird es langweilig.

    Wenn ich Texte haben will auf die ich nicht reagieren kann gucke ich mir Videotext an…

  7. -aki sagt:

    ich bin grad erstaunt, wie viele kommentare ich mit einem beitrag über kommentare in blogs erhaschen kann.

    freut mich natürlich. und bestätigt im großen und ganzen das, was auch gerade robert allgemein zu kommentaren schreibt. wie ihn “geilt” es mich ebenso auf, kommentare zu erhalten. diese geilheit wird aber wohl mit größeren projekten ein wenig abnehmen, sonst würde es ja nicht solche überlegungen wie im HSB geben.

    ich hoffe nur, dass ich weiterhin immer kommentare erhalte. das feedback vom interessierten leser ist mir ungemein wichtig. mittlerweile ist mir das sogar wichtiger als der generierte traffic. obwohl ich weiterhin auch statistikgeil bleiben werde. aber die reinen besucher- und klickzahlen spielen in einem privaten blog nicht so die große rolle.

    achja, ich hoffe ebenso, dass ihr mir alle vergebt, dass ich selbst nicht mehr so oft und freigiebig kommentiere(n kann und will). ich sitze den ganzen tag vorm rechner, muss schon von berufswegen auch regelmäßig blogseiten begutachten und auch mal das eine oder andere lesen … da fällt es mir abends zuhause schwer, nochmals das gleiche zu tun.

    keine sorge, vergessen werde ich dennoch niemanden.

  8. Manniac sagt:

    HILFE! Mein Kommentar von vor ein paar Tagen wurde verschluckt!

    Jedenfalls hatte ich irgendwas geschrieben, von wegen, dass die fehlende Kommentarfunktion bei Seiten wie dem Hauptstadtblog mir egal sind, aber bei persönlichen Blogs würde mir da wirklich was fehlen. Die Bidirektionalität von Blogs ist es, was ich so spannend daran finde. (Darum kommentiere ich auch nicht bei Blogs, bei denen ich keine Antwort erwarte)

  9. -aki sagt:

    @manniac: ohjee, schon der zweite, dessen kommentar hier irgendwie im blog-nirvana gelandet ist. muss ich mir langsam sorgen machen??? o.ô

    siehe: ich brauche keine kommentarfunktion deaktivieren. die kommentare verschwinden auch so. sind wohl so kleine heinzelmännchen in der datenbank, die ab und an mal aufräumen … ehrlich, ich weiß echt nicht, woran das liegt.

  10. Gilly sagt:

    Ich finde es auch nicht toll, dass man beim HSB keine Kommentare mehr abgeben kann. Ich habe die Seite heute aus meinem Feedreader geschmissen, da es dort jetzt auch nichts mehr gibt, was es nicht auf den Websites der Berliner Tageszeitungen gibt, bei denen ich auch nicht kommentieren kann.

.wat sachste?

reiß dir zusammen, gibt disch mühe und mach' ja keenen stress hier!
allet verstanden, dann drückste uffz knöppchen: